Schweizer Folklore und die Alpine Kultur

Die Schweiz liegt an der Mitte mehrerer großer europäischer Kulturen. Drei der Hauptsprachen des Kontinents, Deutsch, Französisch und Italienisch, sind die Nationalsprachen der Schweiz, zusammen mit Rätoromanisch, das von einer kleinen Minderheit gesprochen wird. Deshalb ist die Schweizer Kultur von Vielfalt geprägt, die sich in einer Vielzahl traditioneller Bräuche widerspiegelt. Die 26 Kantone tragen auch der großen kulturellen Vielfalt Rechnung.

Ungeachtet der regionalen Disparitäten haben die Alpen eine wesentliche Rolle bei der Gestaltung der Geschichte und Kultur der Schweiz gespielt. Die Region des Gotthardpasses wurde Anfang des 14. Jahrhunderts zum Kern der Eidgenossenschaft. Heutzutage haben alle Bergregionen der Schweiz eine ausgeprägte Ski- und Bergkultur und sind mit Volkskunst wie Alphorn und Jodeln verbunden. Weitere Schweizer Kultur Ikonen sind Schweizer Schokolade, Schweizer Käse, Uhren, Kuhglocken und die Schweizer Offiziersmesser.

Schweizer Volkskunst

Einige der traditionellen Symbole der Schweiz: die Schweizer Flagge, das Alphorn und die schneebedeckten Alpen – Die Volkskunst wird in Organisationen im ganzen Land lebendig gehalten. In der Schweiz kommt das vor allem in Musik, Tanz, Poesie, Holzschnitzerei und Stickerei zum Ausdruck. Es gibt auch viele regionale und lokale Riten, die die Zeiten des Jahres abgrenzen. Jodeln ist, obwohl es für die Schweiz stereotypisch ist, nicht weit verbreitet und beschränkt sich nur auf einige Berggebiete. Dasselbe gilt für das Akkordeon, das manchmal Schwiizerörgeli genannt wird, was bedeutet, dass es eher ein Schweizer Musikinstrument als die Deutsche Handorgel war.

Das Alphorn oder das Alpenhorn, ist ein trompetenartiges Musikinstrument aus Holz. Die Verwendung des Alphorns ist vor allem in Bergregionen zu finden, kann in manchen Gegenden sehr beliebt sein, und wie Jodeln oder das Akkordeon ist es zu einem Emblem der traditionellen Schweizer Musik geworden.

Die Melodien der Volksmusik variieren zwischen den Regionen. In den inneren und südlichen Alpen sind die Melodien liedhaft und von begrenzterer Reichweite. Gemeinsame und populäre Themen drehen sich um Liebe und Heimat, aber patriotische und pastorale Themen sowie Jagdthemen sind ebenfalls alltäglich.

Die alpine Volkskultur zeichnet sich durch sehr ausdrucksstarke Tänze aus. Kleine musikalische Ensembles gibt es in den bergigen Gegenden, besonders in der Westschweiz.

Die häufigste Form der Holzschnitzerei ist das Spanen. Ein solches Schnitzen ist normalerweise für die Dekoration von Alltagsgegenständen wie Milchhockern, Halsbändern für Glocken, Holzlöffeln oder Spazierstöcken. Figurschnitzen ist auch üblich, besonders bei Krippenfiguren. In einigen Bereichen sind die Fassaden der Häuser reich mit Holzschnitzereien verziert. Dies ist in der Region Berner Oberland weit verbreitet, wo das protestantische Christentum vorherrscht. In römisch-katholischen Regionen ist dies weit weniger verbreitet.

Sticken ist bei traditioneller Kleidung üblich, insbesondere bei Damenbekleidung. Die Stickerei beschränkt sich oft auf markante Punkte wie Manschetten, Hüte und Schals. Stickerei wird auch für die Dekoration von Stoff verwendet. In der Vergangenheit war Stickerei eine Heimindustrie im Nordosten und Osten der Schweiz. Heutzutage beschränkt sich die Stickerei auf den Tourismus, da traditionelle Kleidung nicht mehr verwendet wird.

An manchen Herbstabenden sind in der Alemannischen Schweiz Kinderumzüge mit Laternen üblich. Laternen (Rääbeliechtli genannt) werden aus Wurzelgemüse, meist Rüben, handgeschnitzt, indem man das Innere entfernt und eine Kerze hineinstellt. Das Rääbeliechtli ist mit Motiven wie der traditionellen Sonne, dem Mond und den Sternen verziert. Die Laterne wird dann an drei Ketten aufgehängt. Die Kinder gehen mit den Laternen durch die Straßen ihrer Stadt und singen traditionelle Lieder. Der Brauch stammt aus dem Erntedankfest am Ende der Ernte im November. Diese Tradition ist der Tradition der Schnitze von Rübenlaternen für Halloween in Irland, Schottland, der Isle of Man (wo sie Halloween Hop-tu-Naa nennen und traditionelle Lieder haben) und Teilen von England und Wales sehr ähnlich. Dort ist die Feier am 31. Oktober, um den Vorabend des keltischen Neujahrs zu feiern.

Alpine Kultur

Almen liegen hauptsächlich oberhalb der Baumgrenze und werden nur in den Sommermonaten genutzt. Ohne diese alpine Landwirtschaft wäre kaum eine bedeutende alpine Siedlung von der Jungsteinzeit bis zu den wirtschaftlichen Umwälzungen des 19. Jahrhunderts möglich gewesen. Die Almwirtschaft entlastet die Wiesen in den Tälern und ermöglicht die vitale Bevorratung von Ressourcen für den Winter. Noch immer befindet sich rund ein Drittel der Landfläche in der Schweiz in den Alpen. Rund 500.000 Rinder, darunter auch Kälber – ein Drittel der nationalen Herde – verbringen im Sommer rund 100 Tage auf 7000 Alpweiden. Sie werden von 17.000 Alpiner Hirten und Frauen unterstützt.

– Almwirtschaft und Landwirtschaft – Die Hirten auf den Alpen im Sommer sind hauptsächlich für die Pflege der Rinder verantwortlich. Ihre Aufgabe ist es, das Vieh auf die Weide zu treiben, sie zweimal am Tag zu melken und Käse zu machen. Ende September kehren die Kühe und Kuhhirten zurück ins Tal. Wenn der gesamte Talhof im Sommer in die Alpen aufsteigt, wird sie als Alpwirtschaft bezeichnet. Typisch für dieses Wirtschaftssystem sind die Alpendörfer, die soziales Leben ermöglichen. Das Leben auf einer Alp ist geprägt von harter Arbeit und wenig Komfort – ebenso wie von unvergesslichen Erlebnissen und einer spektakulären Naturschönheit.

– Alpiner Auf- und Abstieg der Rinder – Schon vor Beginn des Sommers ziehen die in Trachten gekleideten Hirten die aufwändig geschmückten Tiere von den Tälern hoch und werden von vielen Schaulustigen und Folklore-Fans bewundert. Im Herbst werden die Rinder wieder in die Täler getrieben. Wieder einmal zieht die festliche Prozession von kostümierten Hirten und geschmückten Tieren Tausende von Zuschauern an und gipfelt in verschiedenen Festlichkeiten.

– Aufruf zum Gebet und zum Alpensegen – In vielen Teilen der katholischen Alpenregionen, vor allem in der Deutschschweiz, wird abends nach der Arbeit das alte Hirtengebet, der “Bättruf” oder “Alpsäge” angeboten. Es ist ein einstimmiger, unbegleiteter Gesang in Hochdeutsch, gefärbt durch den Gebrauch eines lokalen Dialekts. Die Hände werden wie ein Trichter über den Mund gehalten oder ein hölzerner Milchtrichter wird verwendet. Auf diese Weise wird an alle vier Himmelsrichtungen ein Aufruf an Maria und die Schutzheiligen und den Schutz aller Lebewesen und aller Besitztümer auf der Alp gerichtet. Als vermeintlich heidnische Segnung des Viehs wurde der Betruf 1609 von der Luzerner Regierung offiziell verboten. Erst später interpretierte der Jesuitenpater Johann Baptist Dillier (1668-1745) diese uralte tierbezogene Anrufung in eine Christliche, indem er unter anderem die Form des Rufes von “Loba” (um die Kühe anzurufen) in “Gott sei gepriesen” umwandelte und aus dem “Viehsegen” einen christlichen Kontext schaffte.

– Alpiner Karneval – Die Vollendung des Alpensommers wird weithin mit einem Karneval gefeiert (Älplerchilbi) – eine jahrhundertealte Tradition, die die Bauern nach einem reichhaltigen Alpensommer zusammenbringt, um Gott für die erhaltenen Geschenke zu danken und dann eine Zeit des Essens und der Musik zu genießen und tanzen. Die Form variiert je nach der Größe des Ortes und der lokalen Traditionen. Vor allem im Bereich der Rigi (Zentralschweiz) wurden im 20. Jahrhundert Variationen dieser Feste mit dem Fokus auf Straßenparaden und damit auch die (Re-) Präsentation alpinen Lebens und Traditionen im Allgemeinen eingeführt. Hier werden sie “Sennenchilbi” (Hirtenfeste) genannt und ziehen jedes Mal ein bundesweites Publikum von bis zu 30.000 Besuchern an.

– Auf einer Alp bleiben – Stadtbewohner kommen oft in die Berge, und der Traum von frischer Luft, unberührter Bergwelt und Entfernung vom städtischen Alltag zieht Menschen wie Anwälte, Lehrer, Ärzte und Künstler an, um im Sommer das Vieh zu bewachen. Es gibt auch andere Möglichkeiten, den alpinen Lebensstil zu erleben: Einige Almen bieten geführte Touren für Touristen an, darunter Besuche in Schaukäsereien und andere Gäste können beim Melken, Misten oder Zaunreparaturen helfen. Einige Berghütten können für den Urlaub gemietet werden.